Gratis Info-Brief
Sie möchten regelmäßig über neue Beiträge auf meiner Webseite informiert werden?
Dann abonnieren Sie einfach meinen
Info-Brief...
|
 |
Zum Jahr der Bibel 2003:
Die Bibel, die nicht nur Christus kennt, auch den Anti-Christus.
September 2003
Immer wieder ist in der Bibel von "Licht und Finsternis" die
Rede, vom Kampf zwischen dem Guten und Bösen, zwischen den guten
und bösen Geistern. Im Leben Jesu erfährt dieser Kampf seine
Zuspitzung gegen den "Satan". Vor allem in Zeiten der
Unsicherheit und der geschichtlichen Katastrophen haben sich
Menschen diese Fakten in Erinnerung gerufen. Sie haben den
"kosmischen Geisteskampf" bedacht, der das eigentliche Thema der
Weltgeschichte ist. Biblische Beispiele belegen es: der
einstürzende Turm zu Babel; der Augenblick des katastrophalen
Endes Jesu am Kreuz; die Zeit der Krise des spanischen
Christentums nach der islamischen Invasion (711); die
Religionskriege nach der Reformation (1517) usw.
Die apokalyptischen Untergangsszenarien, wie sie in Mathäus 24
und bei Lukas 21.5ff geschildert werden, finden in 2. Thess.
einen entscheidenden Höhepunkt. Satan, der Gegenspieler Gottes,
wird hier als "Antichristus" apostrophiert. Er ist kein reines
Geistwesen, kein "gefallener Engel", sondern "Fürst dieser Welt"
(Lk 4.6), also ein geschichtsmächtiges Wesen. Wäre er nur ein
"Ketzer" oder "Häretiker", bliebe er ausschließlich
kirchenintern interessant. Aber er ist ein weltlicher
Machthaber, eine eminent geschichtlich wirksame Figur, die eine
ungeheure Macht und Faszination über die Menschen ausübt. Nicht
durch Gewalt und Terror, sondern unter dem Anschein des Guten
und Wohltätigen. Es scheint so, als wäre er Christus selbst. Er
tut so, als wäre er der Messias...
Deshalb zieht er die Menschen in seinen Bann. Er täuscht viele
durch eine Pseudo-Ordnung, die er errichtet. Ihm gelingt Vieles.
Man könnte sagen: "angefangen bei technischen Leistungen bis zu
Gütererzeugng und Hygiene". Sein äußeres Ordnungsgefüge wird für
das einzig echte und wahre gehalten. In Wirklichkeit ist es
totalitär, ohne die Ermöglichung von Freiheit und Würde. -
Der Antichrist tritt auf als "Imitatio Christi". Seine
Lügenhaftigkeit und Scheinheiligkeit wirken wie echte
Heiligkeit, der viele zum Opfer fallen (2 Thess 2.1-12). Die
Kraft seines Täuschenkönnens läßt viele in die Irre gehen. Sie
müssen der Lüge glauben, weil er als großer Spiritualist
auftritt, als Asket, als Menschen- und sogar Tierfreund, der
durch scheinbare Liebe, Uneigennützigkeit, Hilfsbereitschaft,
Barmherzigkeit und Wohltätigkeit die Gleichheit der allgemeinen
Sättigung erreicht; der zugleich "Störenfrieden" seines
Herrscherwillens mit Härte und Strenge begegnet. Theologen wie
H. Schlier, E. Stauffer u.a. sprechen von einem
"Machtbesessenen", der aber als solcher nicht zu erkennen ist.
Er schafft Gewaltverhältnisse, in denen sich militärische,
politische und wirtschaftliche Zusammenschlüsse vollenden - die
sogar eine religiöse Einheitsfront aufbauen. Denn die sich
absolut setzende Kraft des Antichristen erfaßt die Menschen
restlos, ihre physische Existenz wie auch ihre persönliche
Religiosität. Der Kult ihm gegenüber wird durch "priesterliche
Propaganda" betrieben, unterstützt durch "wunderähnliche
Zeichen".
Die Apokalypse des Johannes schildert die wunderähnlichen
Zeichen des großen Widersachers Christi und seiner Getreuen, des
aus dem Himmel gestürzten Drachen (12.7-13). Sie machen auch
seine "Erfolge" aus, die zugleich überwältigend und brutal sind.
In Kap. 13 heißt es: ein blendender Glanz geht von ihm aus; er
betört durch seine gewaltige Redekunst; ihm steht eine
faszinierende, überwältigende Macht zu Gebote; ein enormer
Erfolg ist ihm beschieden; ihm ist eine spektakuläre Wunderkraft
eigen; ihm zu Ehren werden aufwendige Liturgien zelebriert; er
scheint unsterblich zu sein und sieht Christus täuschend
ähnlich...
Diese Faktoren sind es auch, die ihn zum Motor des Abfalls von
den wahren Absichten Jesu machen. Denn viele fallen ihm zum
Opfer. Sie merken nicht, wie lügenhaft seine Maßnahmen und
Zeichen sind. Obwohl diese letztlich nur auf ihn selbst und
seine Machtansprüche verweisen, wird er von den meisten nicht
durchschaut als der eigentlich Gesetzwidrige, der Widersacher
Christi, der "Sohn des Verderbens" (2 Thess 2.3ff).
Als solcher ist er zugleich der "Vorläufer Christi", der sich in
den Tempel setzt. E. Kant identifiziert ihn als eine "kirchliche
Figur". Indem die Priester Kult, Sakramente und Glauben an die
Heilsgeschichte zu wesentlichen Pflichten machen, es aber
versäumen, "sittliche Grundsätze ans Herz zu legen", tun sie
alles, was erforderlich ist, um den Antichristen einzuführen. -
Und S. Kierkegaard meint, das eigentliche Elend der Kirchen sei
die mangelnde und stark vernachlässigte "Einübung ins
Christentum". -
Dennoch tritt am Ende der Zeit dem Anti-Christus ein Widersacher
entgegen. Dieser spielt eine große Rolle im "Endspiel" des
vollkommenen Sieges Gottes und der Niederlage seiner
Widersacher. Im Drama der Apokalypse tragen zwei Figuren den
Konflikt aus: der "Sohn des Verderbens" und die
wunderschön-prächtige Himmelsfrau. Diese wurde und wird oft als
Maria gedeutet, oder als "Kirche", oder als "Tochter Sion", d.h.
als "Volk Gottes". Letzteres ist mit "Kirche" gemeint - nicht
die später verkitschte und verzweckte "Mutter Kirche", sondern
deren "ursprüngliche Leuchtkraft". Es ist die Kirche der "sieben
Gemeinden" (Offbg 1.9-20). Deren Kraft und Ausstrahlung sind
nicht zu finden bei den gescheiten Experten, nicht in der
hochtrabenden theologischen Bildung, nicht in ihrer
selbstgefälligen Weltfremdheit bzw. in ihren inneren
Widerspüchen, sondern in der Gemeinschaft der seliggepriesenen
"Unmündigen" und "Ungebildeten" (Mt 11.25ff).
Im Schoß dieses Gottesvolkes, inmitten der "sieben Leuchter",
der "sieben Sterne", der "sieben Gemeinden" wird immer wieder
Christus geboren, wurzelt und wächst für die Welt und Menschheit
heilsame und erlösende Zukünftigkeit. In ihnen bereitet Christus
auch den endgültigen Sieg Gottes vor.-
Bevor dies aber geschieht, tritt der alte Drache noch einmal
hervor - mit aller Macht und Wirksamkeit. Er spiegelt zwei
Untiere wider (Offb. 13): eines stammt aus dem Meer, das andere
aus der Erde. Sie zwingen die Menschen zur Anbetung und
verfolgen grausam und mit List alle, die sich verweigern. Die
Tierbilder deuten auf die Abfolge vierer Weltreiche hin, wie das
Buch Daniel sie schildert (Dan 7.2-8).
Der Drache bedroht die schwangere Frau. Das Drama des Endkampfes
läuft in fünf Akten ab (Offb 12.1ff - 14.20): die Frau flieht in
die Wüste, das Kind wird vor dem Drachen gerettet; der Krieg der
Engel im Himmel und der Sturz des Drachen; der Krieg auf Erden,
angezettelt von dem gestürzten Himmelsdrachen, der die
Verfolgung der Frau aufnimmt; der scheinbare Sieg des
Verfolgers, der sich am Auftritt der beiden tierischen
Potentaten weidet und schließlich: der Sieg Gottes und der Jubel
seiner Getreuen; das Gericht Gottes über alle Nationen, Völker
und Sprachen...
Viel ist im Laufe der Jahrhunderte über solche Bilder der
Schrift, die das "eigentliche Thema" der Weltgeschichte zum
Ausdruck zu bringen scheinen, gerätselt und gedeutet worden. Sie
sind nicht geeignet, Menschen in Angst und Schrecken zu
versetzen, sondern rufen zur Wachsamkeit auf. Denn die
eigentlichen Raffinessen des Bösen und seiner Repräsentanten
sind schwer zu durchschauen, weil sie im Gewand des Guten
auftreten. Menschen mit ihren hinfälligen und unberechenbaren
Ansprüchen vermögen sie nicht zu besiegen. Sie vermögen nur
Zeugen der großen Hoffnung zu werden, daß die Macht Gottes einst
die Endgültigkeit des Heils besiegelt. Der Triumph Gottes über
alle Mächte und Gewalten geschieht nicht mit List und Gewalt,
sondern durch das Lebenswerk des Gekreuzigten. Ihm ist es
gegeben, der Diener aller zu sein und der Gemeinde der Gläubigen
ein Beispiel zu geben, wie durch gottgemäßes Leben Zukunft jetzt
schon beginnen kann.
|