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Die Botschaft der Bibel(I):
Mit Pfingsten fing alles an.
Juni 2008
Eigentlich müsste man sagen: mit Weihnachten fing alles an oder mit
Ostern. Tatsache aber ist, dass der christliche Glaube erst durch das
Pfingstereignis eine breitere Öffentlichkeit erreichte. Darüber berichtet
die Apostelgeschichte (Apg 2.1-11). Am Pfingsttag befanden sich die Apostel
am gleichen Ort – aus Furcht vor den Juden hinter verschlossenen Türen. Da
erhob sich ein Brausen gleich einem heftigen Sturm. Zungen wie von Feuer
verteilten sich auf jeden von ihnen. Alle wurden vom heiligen Geist erfüllt.
Sie fingen an, in fremden Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen zu
verkünden eingab. Vor dem Haus stürmte die Menge zusammen und jeder hörte
sich in seiner Muttersprache reden. Menschen aus vielen Sprachen und Stämmen
hörten die Apostel "Gottes große Taten verkünden". – Was waren das für
"große Taten"?
1. Ihre Welt war voller Angst und Bedrängnis.
Auf den ersten Blick könnte man vermuten, dass es sich hier um eine große
Menschenmenge gehandelt hat, die zu begeisternden Einsichten kam und zu Welt
verändernden Maßnahmen fähig wurde – eine Illusion, die heute gerne im
Zusammenhang mit Papst-Events und Weltjugendtagen gepflegt wird. Was ist an
Pfingsten wirklich geschehen?
Man muss sich die Situation von damals konkret vorstellen. Jesus hatte ein
paar Jahre gelebt und gelehrt. Er hatte von der kommenden und "schon jetzt"
anbrechenden Gottesherrschaft unter den Menschen gesprochen – durch Worte
und Taten der Liebe, der Gerechtigkeit, der Toleranz, der gegenseitigen
Hilfe und Unterstützung… Die im "Jetzt" schon anbrechende Gottesherrschaft
unter den Menschen war also sein Hauptanliegen.
Dann war er, ohne dass seine Getreuen es wahr haben wollten, hingerichtet
worden. Er war am Kreuz gestorben, was zu großen Ängsten und Verwirrungen
führte. Wie sollte es nun weitergehen? Bisher hatten sie sich auf die
Anwesenheit Jesu und seine Autorität verlassen. Nun war er fort. Zwar hatte
er ihnen ein Beispiel gegeben. Er hatte ihnen aufgetragen, dass durch sie
seine heilsamen Worte und erlösenden Taten weitergehen sollten – mitten in
einer Welt, die von Lug und Trug bestimmt war. Aber wie sollte das
geschehen? Sie waren doch nur kleine und einflusslose Leute, deren Hoffnung
nach dem Karfreitag in Bedrängnis und Angst zusammen gebrochen war. Woher
also die Kraft und den Mut nehmen, um Neues zu wagen? Womit sich schützen
gegen die Nachstellungen der Mächtigen und Einflussreichen - ihre Verfolger?
2. Der heilige Geist kam und kam nicht.
Was ist geschehen, wenn es in der Apostelgeschichte heißt, dass sich der
heilige Geist auf jeden von ihnen niederließ? Hat er ihnen Mut und Kraft
gegeben, alle Ängste und Widerwärtigkeiten des Lebens zu überwinden? Gab er
ihnen Fähigkeiten und Gaben, die sie mutig ans Werk gehen ließen? Haben sie
sich dadurch total verändert? Ist aus einem Unverständigen plötzlich ein
Bekehrter geworden, aus einem Juden ein Römer, aus einem Ägypter ein Libyer?
So kann es ja wohl nicht gewesen sein. Es handelte sich um Männer und
Frauen, die geblieben sind, was sie waren. Aber der heilige Geist hat ihnen
– in der Gemeinschaft des Hoffens und Betens - geholfen, sich ihrer Gaben
und Fähigkeiten bewusst zu werden. Er hat aus ängstlichen Kindern
Erwachsene im Glauben gemacht. Sie erhielten ein neues Selbstbewusstsein;
ein Selbstwertgefühl, welches ihnen gestattete, eigene Gedanken zu denken
und mit eigenem Mund zu sprechen. Trotz verschiedener Sprachen und Herkünfte
verstanden sie sich doch in einem und demselben Auftrag: die Worte
und Taten Jesu zu verkünden und fortzusetzen, damit die Herrschaft Gottes in
der Welt ihren Anfang nehmen konnte. Das war ihre "gemeinsame Sprache". Sie
begriffen auf eine urtümlich-frische Weise, wofür ihr Leben überhaupt gut
war und wie das Leben unter den Menschen im Namen Gottes gestaltet werden
müsste. Da galten nicht mehr die gesellschaftlichen Kategorien mächtig oder
ohnmächtig, gebildet oder ungebildet, Mann oder Frau, alt oder jung. Alle
waren dazu bestimmt, das Heilshandeln Gottes in der Welt tatkräftig zu
begleiten und zum Tragen kommen zu lassen.
Das Wirken des heiligen Geistes betrifft also alle. Es gibt jedem Menschen
seinen Ort und seine Bestimmung. Die Welt, Wirkfeld des heiligen Geistes,
wurde uns Menschen als Ort der Treue und Bewährung gegeben. Der Auftrag
besteht also darin, das Wirken des Geistes nicht zu verhindern, sondern
mitzuwirken an der Reifung und Vollendung der Welt. Je mehr sich Menschen
den Herausforderungen des Lebens im Geist der Liebe und Gerechtigkeit
stellen, desto eher werden sie "Erwachsene im Glauben".
3. An die Stelle des Geistes haben sich allzu oft "Experten" gesetzt.
Leider haben die Kirchen die einfachen Wahrheiten des Evangeliums, die alle
Menschen im Blickfeld haben, in Vergessenheit geraten lassen. Ihnen ging es
im Laufe der Jahrhunderte immer mehr um "Hierarchie", Selbstorganisation,
Selbstbehauptung und Selbsterhalt. Das war und ist zwar auch nötig; aber an
erster Stelle stehen das Heil der Welt und die Berufung aller Menschen zum
"Schon-Jetzt" des Reiches Gottes. Leider haben menschliche Ambitionen die
Anliegen des Friedens und des Heils der Welt in Hintertreffen geraten
lassen. An die Stelle des Geistes Gottes, der alle Menschen mit Gaben und
Fähigkeiten ausstattet, damit der Friede und die neue Gerechtigkeit
weitergehen, haben sich Fachleute und "Experten" gesetzt – ganz nach
weltlichen Mustern. Auf hohem akademischem Niveau erforschen sie die
Wahrheit, stellen Regeln und Paragraphen zusammen, die eher kirchlichen
Interessen dienen als den Anliegen des Evangeliums. Das Ergebnis
menschlich-kluger Bemühungen kennen wir seit Jahrhunderten: eine Wahrheit
steht gegen die andere, eine Rechtgläubigkeit stellt die andere in Frage,
eine Konfession baut Gräben auf gegen die andere, in der Ökumene profiliert
sich eine gegen die andere…
Bei den vielfältigen hierarchisch-theologischen Blockaden sind die
gemeinsame Sprache und die gemeinsame Zielrichtung abhanden gekommen: das
Wirken des schöpferischen Geistes Gottes zum Wohl und Heil der Welt. Ebenso
die Ermutigung aller ohne Ausnahme, dem Wirken Gottes Raum zu geben. Haben
die Kirchen ihr Thema verfehlt? Sägen sie an den Ästen, auf denen sie
sitzen?
4. Aus der Vergangenheit lernen und das Zukünftige gestalten.
Wenn sich Pfingsten noch einmal ereignen soll; wenn dem Wirken des Geistes
Gottes zu jeder Zeit eine Chance gegeben werden soll, muß es allen Menschen
"guten Willens" um drei Dinge gehen:
Erstens kommt es darauf an, dass möglichst alle Menschen die ihnen
von Gott gegebenen Gaben und Fähigkeiten entdecken. Das "Erkenne dich
selbst" ist ein steiler Weg und bleibt eine lebenslange Aufgabe. Nur so
können Menschen "Sinn" im Leben finden – statt in Selbstüberheblichkeit oder
in Depression zu verfallen.
Zweitens müssen sich Menschen der Tatsache bewusst werden oder
bleiben, dass sie "soziale Wesen" sind. Nur in Einklang oder
Auseinandersetzung mit anderen "Du’s" kann das Ich gefunden und erprobt
werden. Auch den Nächsten wurden Gaben und Fähigkeiten gegeben, wurden
Grenzen gesetzt. Auf sich selbst und andere schauend, darf das Gute nicht
ignoriert werden, welches im Leben geworden und gewachsen ist. Auf das
Zukünftige schauend, kommt es darauf an, dass der Weizen des Guten bei allen
wächst. Gleichzeitig dürfen das Unkraut der eigenen Grenzen und die
Begrenztheiten anderer nicht irritieren. Man muß den Weizen fördern, ohne
rechthaberisch und "rechtgläubig" das Unkraut zu vernichten (vgl. Mt 13,
24-30). Jesus wusste wohl genau: Wahrheitsfanatiker werden schnell die
Ursache für die Hölle unter den Menschen!
Drittens ist und bleibt der Text eines Liedes, welches Kinder gerne
singen, auch für Erwachsene eine bleibende Lebensweisheit:
Ich bin ich, werd nie ein anderer sein
Dies ist meine Zeit, dies ist mein Leben.
Was mir wichtig ist, entscheide ich allein,
denn mir wird keine Stunde je zurückgegeben.
Ob die anderen auf mich zeigen,
ob sie neidisch auf mich sind,
ich wird reden oder schweigen,
wie ich es richtig find.
Ich bin ich, werd nie ein anderer sein.
Dies ist meine Zeit,
dies ist meine Zeit,
dies ist meine Zeit.
Dies ist mein Leben.
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