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Die Botschaft der Bibel (3):
Auferstehung - Säule des Gottesglaubens.
September 2008
Stellen Sie sich vor, es gäbe einen Gott. Natürlich nicht auf eine
Weise, wie man sich ihn in früheren "naiven" Zeiten vorgestellt hat: der die
Welt in acht Tagen geschaffen hat; der das erste Menschenpaar Adam und Eva
aus Erde formte; der unseren Globus zum Mittelpunkt des Universums erklärte;
der den Menschen zur "Krone der Schöpfung" erhob…
Solche frühere Vorstellungen sind durch die moderne wissenschaftliche
Forschung ad absurdum geführt worden. Frühere religiöse Weltdeutungen gehen
uns immer mehr abhanden. Bei allen neuen Entdeckungen und Erkenntnissen ist
dennoch bis heute die Frage geblieben: Gibt es einen Gott? Wenn auch die
Existenz Gottes nicht bewiesen werden kann (ebenso wenig wie seine
Nicht-Existenz), so hat doch der größere Teil der Menschheit immer daran
geglaubt: aus einer Ahnung, Sehnsucht und Hoffnung heraus. Auch heute noch.
Wenn es Gott aber gibt, muss er größer, unfassbarer und mächtiger sein als
alle Großen dieser Welt. Wenn es wirklich einen Gott geben sollte, müssen
Dinge möglich werden, die für Menschen unmöglich sind. Dazu gehört auch die
Macht Gottes über den Tod hinaus. Der Gottesglaube in der
Menschheitsgeschichte hat immer den Glauben an die Auferstehung, an das
"ewige Leben" zur Folge gehabt.
1. Auseinandersetzung mit dem Tod.
Wenn man die christlichen Feiertage Ostern und Christi Himmelfahrt
zusammennimmt, scheint es, als sei Jesus zweimal "auferstanden". An Ostern
ist davon die Rede, dass Jesus "am dritten Tage von den Toten auferstand",
wie es auch im Glaubensbekenntnis der Christen heißt. Am Tag Christi
Himmelfahrt sprechen die Evangelien davon, dass Jesus seine Jünger segnete,
sich von ihnen trennte und "zum Himmel emporgehoben wurde".
Offensichtlich hängen Auferstehung und Himmelfahrt eng zusammen. Beide
Ereignisse sind schwer genug zu verstehen. Goethe hat sich in seinem
"Doktor Faust" ein für allemal zum Sprecher aller modernen Skeptiker
gemacht. Seine Bekenntnisformel lautet: "Die Osterbotschaft (des Engels) hör
ich wohl, allein mir fehlt der Glaube". Goethe findet – wie viele moderne
Menschen – keinen Zugang (mehr) zur österlichen Freude. Früher, in seiner
Jugend, vermochten die Osterglocken noch große Zustimmung in ihm
hervorzurufen. Aber später, älter und nüchterner geworden, weiß Goethe, dass
"wir nichts wissen können"; auch nicht, "was die Welt im Innersten
zusammenhält".
Tatsächlich widerspricht der Glaube an die Auferstehung jeglicher
Lebenserfahrung von erwachsenen, denkenden, kritischen Menschen. Für sie ist
das Sterben ein Weg ohne Wiederkehr, entgültiger Abschied von dieser Erde.
Denn keiner ist bisher zurückgekommen, um den Überlebenden zu sagen, wo sie
sind, wie es ihnen geht und was sie anders machen würden, wenn ihnen noch
einmal die Möglichkeit zum Leben gegeben würde…
Was für menschliches Denken so schwer zu begreifen ist, deutet Paulus
aus einer ganz anderen Perspektive. Für ihn ist die Auferstehung Jesu das
Zentrum, die tragende Säule des Gottesglaubens, mit der alles steht und
fällt. Die Auferstehung gewährt eine Ahnung von einer Welt, die nicht mehr
die Welt des Menschen ist. Sie führt in die Jenseitigkeit Gottes. Diese ist
für Menschen ebenso unbegreiflich wie für die Katze die seelische Verfassung
ihres Besitzers.
Für Paulus hat sich an Ostern etwas Entscheidendes ereignet: In Jesu
Auferstehung wurde für ihn und alle Menschen die Macht des Todes gebrochen.
Der Tod ist nicht mehr das letzte Wort über das Leben. Denn Gott ist ein
Gott des Lebens, der mit seiner Macht und Fülle alle Grenzen dieser Erde
sprengt und übersteigt. Auch die Verstehensmöglichkeiten des Menschen – was
für moderne Menschen, die eine hohe Meinung über ihre Vernunft haben, eine
Zumutung ist. Deshalb geht es für Paulus darum, die Absage an einen Glauben
zu betreiben, "der nur in diesem Leben auf Christus hofft" (vgl 1 Kor
15.19). Sein Glaube lebt davon, die engen Grenzen des menschlichen Daseins
zu durchbrechen, um mit Christus leben und sterben zu lernen. So vermag der
Mensch an ein Leben zu glauben und darauf zu hoffen, welches alle
menschlichen Vorstellungen übersteigt. .
2. Was ist mit dem Leben vor dem Tod?
Man muß sich einmal in die Situation der damaligen Gefolgsleute Jesu
hineinversetzen. Sie haben den Menschensohn predigend und Wunder wirkend
erlebt. Sie sind ihm nachgefolgt. In ihnen lebte die Gewissheit, dass das
von Jesus verkündete Reich Gottes noch zu ihren Lebzeiten in Erfüllung gehen
würde. Aber alles kam ganz anders. Mit der Katastrophe des Karfreitags
schien alles zu Ende. Alle menschlich verständlichen Hoffnungen und
Erwartungen waren dahin. Als dann der Ostermorgen kam, setzte sich die
Botschaft von der Auferstehung nur zögernd durch. Zu sehr waren alle von
Ängsten und Zweifeln befangen. Sie waren enttäuscht und ohne Hoffnung.
Typisch ist der Weg der Jünger nach Emmaus: ihre Augen waren gehalten; sie
verstanden nur langsam, was der Fremde ihnen zu offenbaren versuchte; sie
erkannten ihn nicht – erst beim Brotbrechen.
Jesus erklärt ihnen den Weg seines Lebens, seines Todes und seiner
Auferstehung. In der Bibel heißt es, dass er vierzig Tage den Seinen
erschien. Sie erkennen ihn in verschiedensten Situationen: beim Brotbrechen,
beim Rufen des Namens, beim reichen Fischfang... Im Grunde erkennen sie ihn
an denselben Worten und Taten, die sie schon zu Lebzeiten gehört und
bewundert hatten. Sie wussten von Anfang an: durch Jesu Worte und Taten wird
die Saat ausgesät für das Werden und Wachsen des Reiches Gottes - bis zum
Tag der Ernte. Jesus praktizierte für sie den Anfang einer neuen Schöpfung (Kol
1.15-20).
Am Tag der Himmelfahrt Jesu wird den Jüngern gesagt: "Ihr seid die Zeugen
dafür". Nun ist es an euch, durch eure Worte und Taten die Saat weiter
auszustreuen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben. Von nun an wird sich
die Macht und Herrlichkeit Gottes offenbaren im Wachsen des Samenkorns, im
Durchdringen der Welt mit dem Sauerteig des Wortes Gottes, im Lichtwerden
der Worte und Taten Gottes durch jene, die von sich beanspruchen, in seiner
Nachfolge zu stehen. Seit Christi Himmelfahrt besteht der Auftrag, "alles zu
befolgen, was ich euch geboten habe". Allen wird aber auch die Zusicherung
gegeben, die auch die Emmausjünger schon erfahren durften: Der Herr geht mit
uns, noch ehe wir es bemerken! Bei Mathäus heißt es: "Ich bin bei euch alle
Tage bis zur Vollendung der Welt" (Mt 28.20).
Vielleicht besteht das schwierigste Glaubensbekenntnis von Christen in den
Alltäglichkeiten des Lebens darin, sich mit der Erfahrung der Jünger
vertraut zu machen: Er ist bei uns; er geht mit uns - auf all unseren Wegen
-, auch wenn wir es nicht bemerken! Bisweilen bemerken wir es auch: Wo die
Liebe gelebt wird, wo mehr Gerechtigkeit entsteht, wo Menschen sich in
Gemeinschaft finden und sich in ihren jeweiligen Eigenarten respektieren
lernen, wo Menschen sich nicht mehr von niederen egoistischen Trieben und
banalen Oberflächlichkeiten bestimmen lassen - da feiert die Welt schon
einen Lichtblick von "Auferstehung". Ohne solche Erfahrungen bleiben
Menschen Gefangene ihrer selbst. "Auferstehung" erweist sich im Leben als
"Freiheit der Kinder Gottes".
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