Gratis Info-Brief
Sie möchten regelmäßig über neue Beiträge auf meiner Webseite informiert werden?
Dann abonnieren Sie einfach meinen
Info-Brief...
|
 |
Die Botschaft der Bibel (8):
"Dialog" statt Bekehrung und Missionierung?
März 2009
"Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern
gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat er zu uns
gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben des Weltalls eingesetzt und
durch den er auch die Welt erschaffen hat". So heißt es im Hebräerbrief
(1.1-2). So verstehen sich auch die drei "Offenbarungsreligionen": Judentum,
Christentum, Islam. Wenn Gott sich aber den Menschen offenbart, kann es nur
mit Nachdruck, Macht, Großartigkeit und Herrlichkeit geschehen...
Dieser Gedanke ist besonders beim Islam ausgeprägt. Nach dessen Auffassung
hat Allah dem Mohammed ewige, unverzichtbare, unüberholbare Wahrheiten
zudiktiert, die im Koran ihren Niederschlag gefunden haben. Allah hat auch –
schon im ersten Jahrhundert – den Islam zu einer ungeheuer erfolgreichen
Religion emporsteigen lassen. Schon in kurzer Zeit war der ganze
Mittelmeerraum einschließlich Südfrankreich vom Islam erobert. Als Zeichen
seiner gottgewollten Größe und Macht darf kein Kirchengebäude höher und
größer sein als eine Mosche. Und kein Mensch, keine Stadt, kein Ort, kein
Land darf – sofern einmal islamisch – jemals an eine andere Religion
verloren gehen. So wird Jerusalem ein ewiger Zankapfel bleiben, weil von
allen drei Offenbarungsreligionen unverzichtbar als "heilige Stadt"
beansprucht.
Der heutige "Kampf der Religionen" gründet auf dem Glauben, dass allen drei
Offenbarungsreligionen eine besondere Berufung zuteil wurde. Deshalb galt
ursprünglich: Bekehrung und Missionierung der einen durch eine andere. Das
Konzil hat sich vor 50 Jahren zum "Dialog" entschlossen. "Dialog" statt
Bekehrung? Dürfen also Juden und Moslems nicht mehr zu Christus bekehrt
werden? Gegen solche Vorstellung wehrt sich die von vielen als "verbohrt"
angesehene Pius-Bruderschaft.
1. Die Pius-Bruderschaft und das Konzil.
Die Pius-Bruderschaft, einmal von der Kirche verworfen und "exkommuniziert",
wurde von BENEDIKT XVI. wieder in die Kirche hineingeholt – um der "Einheit"
willen. Der öffentliche Skandal, der weltweit die Gemüter aufrüttelte, hat
ein paar wichtige Erkenntnisse zur Folge gehabt: erstens ist die
Kirche, die traditionalistische und fundamentalistische Tendenzen fördert,
kein Sprachrohr mehr für die meisten Christen. Sie fährt sich selber dabei
an die Wand. Sie wird zweitens, weil zu einem dogmatischen Betonklotz
erstarrt, für den Rest der Verbliebenen zu einer musealen bzw.
folkloristischen Veranstaltung. Deren Vertreter werden nicht mehr gehört,
aber bei feierlichen Anlässen noch als exotische Überbleibsel einer längst
vergangenen Zeit (vor allem von den Medien) vermarktet. –
Die beste Folge des Skandals war und ist der Ruf nach dem Konzil, welches
bereits von vielen Verantwortlichen – bewusst oder unbewusst – in die Gruft
des Vergessens verdammt worden war, oder nur noch selektiv und nach eigenem
Ermessen akzeptiert wurde. Nun wieder der Ruf nach dem Konzil! Sämtliche
Konzilsbeschlüsse sollen nicht nur von der Pius-Bruderschaft angenommen
werden, sondern auch von rückwärts gewandten Teilen der Hierarchie, des
katholischen Klerus und Volkes.
Aber was heißt: das "ganze Konzil"? Es ist bekannt, dass die Texte des
Konzils nicht einheitlich sind. Verschiedenste Interessengruppen haben in
ihnen ihren Niederschlag gefunden. So wird das Konzil unterschiedlich
interpretiert. "Traditionalisten" und "Fortschrittliche" finden sich darin
wieder – je nach Denkmuster und Vorurteil. So gut es ist, dass das Konzil
wieder verstärkt im Gespräch ist, so würde die "volle Anerkennung der
Konzilsbeschlüsse durch alle" doch zur Folge habe, dass die "Experten" der
verschiedensten Richtungen ihre unterschiedlichen Interpretationsmuster zur
Geltung bringen nach dem Motto: Man kann alles begründen, immer auch das
Gegenteil. Und ein "Machtwort" des Papstes würde nicht mehr viel nützen,
weil auch er (als Italiener, Pole, Deutscher) einer bestimmten "Richtung"
angehört.
Das Dilemma des Konzils wurde während seines Verlaufs vor 50 Jahren bereits
deutlich. Nicht nur, dass sich die "Aufgeschlossenen" gegen die hartnäckige
Minderheit der "Zugeknöpften" mit vielen Tricks durchsetzen mussten, sondern
vor allem auch dadurch, dass der "pastorale Impuls" des Papstes sehr schnell
in die Köpfe der Dogmatiker und Kirchenrechtler geriet. Das pastorale
Uranliegen des Papstes bestand zunächst einmal darin, die Situation heutiger
Menschen klar in den Blick zu bekommen, um ihnen den Zugang zu religiösen
Fragen zu eröffnen. Aber nach alter Manier wurde dieses Anliegen "auf die
hohe Ebene der Theologie" gehoben und den "Experten" überlassen, die Lust
auf ihre eigenen ("wissenschaftlichen") Gedanken haben und zum Definieren
neigen. Die ursprüngliche Anteilnahme und Lebendigkeit des Volkes wurden
dabei sehr schnell ausgeschaltet. Heute wird wieder "oben" gedacht und nach
unten indoktriniert. Alles, was lebendig ist und sein könnte, erstarrt unter
der Winterdecke dessen, was von allen gedacht und geglaubt werden muß. Gegen
solche "Gleichschaltung" schafft sich "die Basis" auf dem Boden eigener
Erfahrungen und Einsichten neue Freiheitsräume. "Unten" wird inzwischen ganz
anders gedacht und geglaubt als in den Chefetagen der Kirchen. Inzwischen
kommt es weltweit sogar zu Empörungen und offenem Widerspruch zu Maßnahmen
"von oben", die als einäugig und realitätsfremd gebrandmarkt werden.
2. Pastoraler Impuls aus der Kraft der Bibel.
Zweifellos war es ein ehrlicher Erfolg des Konzils, die Kirche von Menschen
nicht mehr als "societas perfecta" darzustellen, sondern als " wanderndes
Volk Gottes auf dem Weg durch die Zeit". Die Einsicht, dass sich der
Zentralismus (des Vatikan) in der Vielschichtigkeit des Lebens als immer
ohnmächtiger und widersinniger erweist, ließ die "Dezentralisierung der
Kirche" als wichtig erscheinen. Von der Zuständigkeit von
Bischofskonferenzen war die Rede, von der "Wertschätzung der Laien", von der
Notwendigkeit des Dialogs mit anderen Religionen und Weltanschauungen, von
der "Religionsfreiheit" und der unverbrüchlichen "Würde des Menschen". Bis
heute hat sich herausgestellt: die "niederen Instanzen", auch
Bischofskonferenzen, konnten mit ihrer neuen Verantwortung nichts anfangen.
Nach oben zu schielen gewöhnt, haben die meisten bis heute nicht aufgehört,
die Lösungen der örtlichen Probleme "von oben" zu erwarten. Die Parole
heißt: Solidarität mit Rom statt Eigencourage!
So sind der Einfluss und die Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft eher
kleiner statt größer geworden. Das Konzil steht bei "Restauratoren" im
Verdacht, zu viele negative Folgen gehabt zu haben. Deren Ängste haben dazu
geführt, dass eine traditionelle Minderheit des Konzils im Laufe der Zeit
dessen fortschrittliche Mehrheit immer mehr überspielt hat. Nach JOHANNES
XXIII. und PAUL VI. setzten sich immer mehr die "Traditionalisten" durch.
Eine Kirche, die Jahrhunderte lang mit ihrem dogmatischen Fundament gute
Erfahrungen gemacht hatte, fand keinen Geschmack an dem pastoralen Ansatz
der Konzilsväter. Dass allerdings die Dogmatiker schon bald in eine
Sackgasse gerieten, zeigt die tragische Verbindung BENEDIKTS XVI. mit OPUS
DEI, der Pius-Bruderschaft und anderen "Geistern", die er nicht mehr los
wird.
Das Kernproblem des Konzils ist es bis heute geblieben, dass bei allem
"Theologisieren" die Chance der Rückbesinnung auf die Denk- und Lebensweise
des irdischen Jesus auf weiten Strecken verpasst wurde. Aber genau das
wollte JOHANNES XXIII. Ihm ging es um das "Zurück zu den Quellen". Sein
"pastoraler Impuls" war kein griechisch-philosophischer, sondern ein
biblischer. Er ist nicht mehr in erster Linie auf die Kirche konzentriert
und deren "Spezialisten", sondern auf die Sauerteigfunktion der Botschaft
Jesu mitten in der Welt – also auf das "Reich Gottes". Erste Ansprechpartner
sind die Menschen mit ihren Gaben und Fähigkeiten, mit ihren Zweifeln und
Ängsten. Ihnen hat Christus einen "neuen Geist" gegeben: den Geist der
Liebe, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit – Kräfte, die dazu angetan sind, das
Reich Gottes schon im Jetzt Wirklichkeit werden zu lassen: anfänglich und
fragmentarisch, aber darauf angelegt, das "Leben in Fülle" zu entfalten.
3. Statt Bekehrung "Dialog"?
Ein Kernproblem in der Auseinandersetzung zwischen "Traditionalisten" und
"Fortschrittlichen" ist die Frage, ob beim Anliegen des Dialogs "Bekehrung"
noch erlaubt ist? Der Dialog "auf Augenhöhe" setzt Gleichberechtigung
voraus, gibt jeder Religion eine gleichwertige Position. Er ermutigt sogar,
dass der Jude, Moslem, Buddhist... jeweils auf seine Weise selig werden
kann, ohne dass eine Bekehrung zum Christentum notwendig erscheint.
Dagegen war die "Bekehrung der Heiden und Andersgläubigen" von Anfang an ein
zentrales Anliegen (vgl Apg 3.19; Mt 28.16-20; 24.14). Aber Bekehrung wozu?
Zu Jesus Christus, hat es immer wieder geheißen. Im Laufe der Geschichte
wurden aber die Gewichte entscheidend verlagert. Es ging und geht bis heute
weitgehend um die Bekehrung zur "einen wahren Kirche", zu ihren Ämtern und
ihrer Gesamtverfassung – so als wäre das alles identisch mit den Anliegen
Jesu. Jahrhunderte lang bestand das Ziel der Missionierung im "Einpflanzen
der Kirche" überall auf der Welt (Implantatio Ecclesiae). Die Bekehrten und
kirchlich Sozialisierten in Afrika und Lateinamerika feierten – rituell und
liturgisch – ihr Christsein nach dem Vorbild der Europäer. Es wurde eine
einheitliche Theologie gelehrt und gelernt. Katechismen und Lehrbücher
wurden aus Europa in die ganze Welt exportiert.
Solche Europäisierung des Christentums, gewachsen auf dem Boden griechischer
Philosophie, haben die Kirche und die römische Zentrale mächtig und
einflussreich gemacht. Aber auch gläubiger? Ist "Glaube" identisch mit einer
einheitlichen Lehre und Ideologie im Sinne einer kirchlichen
Staatsverfassung? "Bekehrung" hatte auf weiten Strecken den Anschluss an
Europa und seinen Wohlstand zu Folge. Der "Glaube" bestand in
konfessioneller Dazugehörigkeit, in sakramentalen Vollzügen und im Lernen
einer Lehre, die sich von anderen abhob und stets zu Streitigkeiten führte.
Liturgien, Sakramente, Lehramt, unfehlbare Wahrheiten – äußerlich werden sie
überall akzeptiert und praktiziert. Aber im Leben ändert sich wenig. So
besteht auf weiten Strecken der Geschichte die Tatsache, dass Christen über
den Frieden, die Liebe, die "neue Gerechtigkeit" Vorträge halten und Bücher
lesen – gleichzeitig "im Namen Gottes", "um der Wahrheit willen" Kriege
führen und Rechthabereien in die Welt tragen. Die Schizophrenie zwischen
Doktrin und konkreter Lebensführung zeigt allzu deutlich, dass "Bekehrung"
leicht ihr Ziel verfehlen kann. Denn die "Doktrin" findet im Kopf statt; zum
Leben ist noch ein weiter Weg. Dies nicht nur aus "menschlicher
Schwachheit", sondern weil die Vorstellung vorherrschend ist, dass mit
Inhalten im Kopf schon alles getan ist.
4. Der Glaube an heilsame und erlösende Taten.
Der Glaube an Jesus Christus, an das Heilsame seiner Worte und Taten,
verpflichtet Christen zu einer verbindlichen Übernahme dieser Worte und
Taten in die eigene Lebenssituation. Die Worte und Taten des irdischen Jesus
bezogen sich ständig auf das Heil der Welt und des konkreten Menschen. Sie
waren immer menschennah und situationsbezogen, verfehlten deshalb ihre
"Wunder-Wirkung" nicht. Für Christen besteht der Glaube in nichts anderem
als in der Fortsetzung der Worte und Taten Jesu. Sie müssen auf das Heil und
den Frieden in der Welt ausgerichtet bleiben. Sie sind wie Senfkörner, die
Wurzeln schlagen und wachsen bis zum Tag der Ernte, an dem der Herr kommt.
Solche Art des Glaubens ist für jeden Menschen möglich. Denn Jesus hat
nichts gesagt und getan, was der "Natur des Menschen" widersprechen würde.
Deshalb zielt seine Botschaft auf den Zusammenschluss möglichst vieler
Menschen in Freiheit und Gerechtigkeit – zum Heil der Welt. Denn der "zweite
Adam" (Christus) war ein "lebendigmachender Geist" (1 Kor 15.45). Die Frage,
was der Welt zum Frieden dient, ist immer mit Menschen ins Gespräch zu
bringen, ganz gleich welcher Stellung und Weltanschauung sie sind. Auf
dieser Ebene sind "Dialog" und "Ökumene" möglich (weniger auf der Ebene von
"Experten", die jeweils in ihren theologischen Elfenbeintürmen sitzen). Das
Ertragen und Meistern der "Immanenz" dieser Welt wecken auch die Hoffnung
und schaffen den Zugang zur "Transzendenz". Alles "Übernatürliche", jeder
"Jenseitsenthusiasmus" bleiben Utopie und Selbsttäuschung ohne diesen
innerweltlichen Ausgangspunkt.
Wenn in der Bibel von "Bekehrung" und "Umkehr" die Rede ist, dann heißt das:
- Von den Götzen zum lebendigen Gott (1Thess 1.9; Apg 14.15)
- Von der Finsternis (von der Macht Satans) zum Licht (Apg 26.18)
- Von der Bosheit zu verantwortlichem Handeln (Apg 3.26)
- Vom Gottesbezug zum Stärken der Brüder und Schwestern (Lk 22.32)
- Von toten zu lebendigen Werken (Hebr 6.1).
Solche "Bekehrung" ist der Weg des Menschen zur "wahren Gerechtigkeit",
wie ihn auch die Bergpredigt beschreibt (vgl. Mt 5.1-12).
|