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Strukturreformen in der Kirche. Warum sie wahrscheinlich ins
Leere laufen...
Juli 2003
In meinem Buch: "Christentum auf dem Prüfstand. Der Lehren
sind genug verkündet - Jesu Aufforderung zum 'wahren Leben' "
(Aachen 2001) geht es hintergründig um die Frage: in der Krise
der Kirche - gelingt es da, den "Übergang zu gestalten" oder
läuft alles "Reformieren" auf den "verwalteten Untergang"
hinaus? Vieles, was heute in den deutschen Diözesen geschieht,
scheint das Letztere zu bestätigen. Da ist - angesichts des
wachsenden Priester- und Gläubigenmangels; ebenso wie der alles
bedrohenden Finanzkrise - von "Strukturreformen" die Rede, von
"neuen pastoralen Räumen", neuen Dekanats- und
Seelsorgeeinheiten... Es wird behauptet: "Die großen Ziele der
Kirche sind klar". Sie heißen: den Glauben an Christus
verkünden, das Eucharistie- und Sakramentenverständnis vertiefen
und verlebendigen, sich vom "schöpferischen Geist Gottes"
beschenken lassen und so "geistliche Erneuerung" pfingstlich
geschehen lassen...
Aber gerade da, wo bei den "Profis" angeblich viel "Klarheit"
herrscht, schlägt heute fragenden und suchenden Christenmenschen
der Geist der Anfechtung und der Zweifel entgegen. Er weht nicht
so sehr aus der "gottlosen Welt", sondern kommt von christlichen
Konfessionen und religiösen Bewegungen, die mehr vom biblischen
Geist und weniger von dogmatisch-kirchenrechtlichen Vorgaben
bestimmt sind. Von ihnen kommen "Anfragen". Sie sind oft
verbunden mit dem glaubwürdigen Bemühen, lebendige Antworten
nicht einfach durch Lehre und Indoktrination zu geben, sondern
eher durch sichtbare Lebensführung und Lebenspraxis. Von daher
sind sie als echte Alternativen zu verstehen und werden auch so
verstanden. Die Anfragen an die für recht oberflächlich
angesehenen Strukturreformen der Kirche lauten:
- Was wird denn da für ein "Glaube" verkündet? Ein
verkirchlichter, der im Grunde Menschen mobilisieren und bei
der Stange halten soll - so wie jeder Verein versucht, seine
Mitglieder zu binden? "Kirche" stellt sich somit ungewollt als
ein Verein neben vielen anderen Vereinen dar!
- Ist der Originalton Jesu, das Elementare seine Botschaft
über das rein Rhetorische und Predigthafte hinaus wirklich
handfestes Anliegen? Oder geht es in Grunde doch nur um den
Erhalt einer mittelalterlich gewordenen hierarchischen Kirche
und Kirchenordnung, in deren Dienst das "Volk Gottes" steht?
- Ist das Sakramenten- und Eucharistieverständnis wirklich
klar, d.h. biblisch grundgelegt oder ist es nicht eher doch
Ausdruck einer philosophischen Theologen- und
Lehramtsdenkweise, die die meisten Menschen in ihrer
angeblichen "Klarheit" und "Eindeutigkeit" noch nie verstanden
haben und heute immer weniger zu verstehen bereit sind, wobei
stets der Hinweis eine entscheidende Rolle spielt, dass sie
nur sehr wenig das faktische Leben der "einfachen Leute"
berühren.
- Falls der viel beschworene "schöpferische Geist Gottes" zu
wirken anfangen sollte - was geschieht mit den Menschen, die
auf Grund ihrer Fähigkeiten und Charismen ("Gottesebenbildlichkeit")
anfangen, innerkirchlich "schöpferisch" zu sein? Was geschieht
mit den bisherigen hierarchischen Strukturen, was mit den
hausgemachten Ämterbesetzungen, was mit der herkömmlichen
dogmatisch-kirchenrechtlichen Denkweise? Wird dann nicht
wiederum das Prinzip angewandt, welches seit Jahrhunderten und
vor allem auch nach dem II. Vaticanum immer wieder
unwiderrufliche Urständ gefeiert hat: nicht nur die Menschen
haben sich nach dem Lehramt und dem Kirchenrecht zu richten,
sondern, wenn es konkret wird, auch der heilige Geist!?
- Seitdem Martin Heidegger vom "Ende der Metaphysik" und vom
Ende des herkömmlichen Wahrheitsverständnisses gesprochen hat;
seitdem ganze human- und naturwissenschaftlich geprägte
Generationen dieses "Ende" faktisch längst praktizieren und
handhaben, scheint gewollt oder ungewollt die "Grundlage des
Christentums" zerstört. Oder besser gesagt: die philosophisch
und theologisch selbstgemachten Grundlagen werden zerstört.
Das kann nicht die Selbstpreisgabe des Christentums oder
rückwärts gekehrte Apologie zur Folge haben, wenn in Zeiten
des Niedergangs die Versuchung dazu auch groß ist, sondern das
Christentum muß von seinen ursprünglichen Anliegen her neu
überdacht werden.
Die Frage nach der "Wahrheit" stellt sich dabei völlig neu.
Die Menschen suchen nicht mehr eine "von oben" verkündete
Wahrheit (als eine von "Profis" erkannte "Übereinstimmung des
Denkens mit dem Sein bzw. mit der Offenbarung"), sondern eine
lebensnahe und lebens-bewährte Wahrheit. Man könnte sie
umschreiben als "Übereinstimmung des christlich-wahrnehmbaren
Lebensstils und anschaubarer Lebensführung mit den
Werte-Vorgaben des Evangeliums", die da heißen: Liebe,
Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Offenheit, Dialog... mit und
gegenüber andersartigen Denk- und Verhaltensweisen. Solange
diese "Übereinstimmung" nicht in neuen Formen des Kirche-seins
gesucht oder annähernd angestrebt wird (Vgl. mein Buch: Kirche
im Koma? Der Mut zu einer ganz anderen), bleibt faktisch der
Grundsatz bestehen: der neue Wein muß auf jeden Fall in die
alten Schläuche! (vgl. Mt. 9.17). Mit solcher Grundeinstellung
läßt sich auf Zukunft hin kein Stich mehr machen.
"Strukturreformen" laufen dabei ins Leere.
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