Fritz Köster - Aktuelle Themen
Gratis Info-Brief
Sie möchten regelmäßig über neue Beiträge auf meiner Webseite informiert werden?
Dann abonnieren Sie einfach meinen
Info-Brief...
|
 |
Weihnachten: Jede Geburt ist Anfang eines (oft) langen Lebens.
Dezember 2012
An Weihnachten feiern wir die Geburt eines Kindes. Wir kleiden uns in
sonntägliche Gewänder, dekorieren das Haus und die Fenster mit strahlenden
Lichterketten, dazu der leuchtende Christbaum. Die aus dem Herzen kommenden
Gesänge und die Weihnachtsmusik – nie während des Jahres klingen sie schöner
und fröhlicher als in diesen Tagen.
Außenstehende könnten vermuten, dass Weihnachten, der Tag der Geburt
Christi, das größte und wichtigste Fest im Christentum ist. Theologen und
Kirchenleute sagen "Nein" dazu. Für sie sind Ostern und Pfingsten viel
wichtiger: Feste der Erlösung und des Heils für die gesamte Menschheit.
Trotzdem ist und bleibt Weihnachten im Bewusstsein der meisten Christen das
am meisten begehrte und ersehnte Fest. Am eindringlichsten klingt es in
"Stille Nacht, heilige Nacht", und im: "Lasst uns nach Bethlehem gehn. Heute
ist uns der Heiland geboren!"
Im Blick auf die erbärmlichen Umstände dieser Geburt – von der Herbergssuche
ist die Rede, vom Stall, von den Hirten auf dem Felde, von dem wegweisenden
Stern – haben die ersten Besucher damals sicher schon gefragt: Warum diese
Armut und Erbärmlichkeit? Was ist das für ein Kind? Bei aller Freude über
diese Geburt – was wird aus diesem Kind wohl einmal werden?
Heute, 2000 Jahre danach, wissen wir es. Über zwei Milliarden Menschen
feiern dieses Fest. Viele Wissenschaftler, Künstler Musiker, Theologen
versuchen immer wieder, dem Sinn und Inhalt dieses Festes auf die Spur zu
kommen. Dabei sind Äußerlichkeiten nicht entscheidend: Aufgewachsen im Haus
seiner Eltern; wahrscheinlich auch Lehrling in der Werkstatt seines Vaters,
der Zimmermann war, hat er sich irgendwann der Johannes-Bewegung
angeschlossen. Johannes predigte in der Wüste; er versuchte, seine
aufmerksamen Zuhörer/innen auf das bevorstehende Ende der Welt einzustellen;
er forderte sie zu Umkehr und Bekehrung zu einem gottgemäßen Leben auf, zum
Ernstnehmen der Gebote Gottes. Ein Leben nicht zum eigenen Gutdünken sollte
sie vor dem End- und Strafgericht Gottes bestehen lassen...
Jesus hat in der Zeit seines öffentlichen Auftretens andere Akzente gesetzt,
er ist seinen eigenen Weg gegangen. Auch er verkündete das nicht
vorhersehbare Ende der Welt. Vor allem aber ging es ihm um die Nähe des
Reiches Gottes "schon jetzt" unter den Menschen, sofern diese die Liebe
untereinander und die Gottverbundenheit zu leben lernten. Schon als
12-Jähriger hat er hartnäckig Fragen gestellt: den Pharisäern und
Schriftgelehrten, den Theologen von damals. Er hat den Finger auf ihre
Wunden gelegt: Was ihr lehrt – ihr legt es den Menschen als schwere Lasten
auf die Schultern, ihr selbst aber richtet euch nicht danach! Ihr bildet
euch ein, mehr als andere in der Nähe Gottes zu sein. Ihr betet
scheinheilig: "Herr, Herr", tut aber nicht den Willen dessen, der euch in
die Welt gesandt hat!
Jesus hat klar und deutlich verkündet, was zur Anwesenheit Gottes in unserem
Leben wichtig ist und was nicht. Der Aufruf zum wahren gottgemäßen Leben hat
die damals Einflussreichen und Mächtigen nervös gemacht. Ihnen ging es
schließlich nur noch darum, den "Unruhestifter" zu beseitigen. Jesus,
gefoltert und erniedrigt bis zum Äußersten, starb wie ein Verbrecher am
Kreuz. Folter und Leiden haben es nicht vermocht, ihn von seinem Auftrag
abzuhalten. Er starb als Sieger über alle Versuchungen zu Macht und
Heuchelei. Vielleicht ist dies der wichtigste Auftrag für uns Christen in
der Welt: das Ego zu besiegen, Frieden und Gerechtigkeit für alle zu
schaffen – um des Lebens und des Überlebens der Menschheit willen! Das
religiöse, kulturelle und geistige Testament Jesu darf nicht leichtfertig
verspielt werden. -
Jede Geburt ist der Anfang eines oft langen Lebens. Wir alle waren mal
kleine "goldige Kinder". Oft mögen Eltern auch über uns die Frage gestellt
haben: Was wird wohl aus unserem Sohn, unserer Tochter werden? In einer
Familie, in der die Maßstäbe noch einigermaßen gelten, stellt sich diese
Frage: mit Freude über die Neugeburt, aber auch in Angst und Unsicherheit.
Denn aus jedem Kind kann ein Heiliger oder ein Taugenichts werden. Was ist
aus uns geworden? Nun, wir hatten alle ein Elternhaus, in dem es recht oder
schlecht zuging; sind in den Kindergarten gegangen und haben eine Schule
besucht. Die Berufswahl führte in eine Lehrstelle. Wir haben alle einen
Beruf als Handwerker, Kaufmann, Polizist oder Akademiker.
Wir sind sehr verschieden voneinander aufgewachsen, was unser Temperament,
unsere Begabung, unsere Eigenwilligkeit und unsere verschiedenen Lebenswege
angeht. Wir legen großen Wert darauf, dass jeder Er/Sie selbst sein kann.
Jeder von uns ist nur 1x auf der Welt. Deshalb bedarf es der persönlichen
Freiheit, der Eigenverantwortung in Ehe, Familie, Kindererziehung und im
Beruf.
So verschieden wir alle sind – Weihnachten führt uns zu einer und derselben
Aufgabe. Sie heißt "Friede auf Erden". Wir sollen Menschen des Friedens
sein! Jeder soll zum Frieden in der Welt seinen Beitrag leisten! Um des
Friedens willen braucht man nicht nach Afghanistan zu gehen oder in den
Sudan. Wer schwer bewaffnet meint, Frieden unter den Völkern schaffen zu
können, endet meistens im Krieg bzw. im Gemetzel der Völker. Der Friede, den
die Botschaft Jesu meint, zielt auf unser Ich, auf unsere alltäglichen
Lebenssituationen. Denn überall, wo wir mit anderen Menschen leben und
arbeiten, droht der Kleinkrieg: in Ehen und Familien, in Nachbarschaften und
in Betrieben bzw. Arbeitsplätzen. Fast jede Lebenslage ist dazu angetan, an
sich selbst zu denken, die Aufgabe des Friedens und der Gerechtigkeit aus
dem Auge zu verlieren. Weihnachten sagt es anders: Nur wo der Friede im
Kleinen gelingt, kann er auch im Großen der Geschichte gelingen. Das
Miteinander in Frieden und Freiheit dient dem Wohl und Heil der Völker. "Da
bin ich mitten unter Euch".
Auffallend an Weihnachten ist, dass sich die Botschaft vom Frieden nicht
zuerst an die Großen und Mächtigen wendet, sondern an die kleinen Leute, die
Hirten auf dem Feld. Damit ist offensichtlich gemeint, dass der Friede "von
unten" kommen muß, damit ihn schließlich auch die Großen und Mächtigen
lernen. Was im Kleinen der Kinderstube nicht gelernt wird, lernen die
Erwachsenen auch nicht mehr. Wer sich dazu entschließt, dem Frieden in der
Ehe, Familie, Nachbarschaft… jeden Vorrang zu geben, der überwindet
schließlich alles Störende im eigenen Leben: Aggressionen, ichbezogene
Leidenschaften, Rechthaberei, Herrschsucht, Eifersucht, Neid… Der Friede
hört auf, eine leere Worthülse zu sein. Er wird zu einer wachsenden Pflanze,
die unübersehbar ist. Und der Friedengruß in jedem Gottesdienst soll zu
einer gemeinsamen Gesinnung verhelfen, zu einer Menschen und Welt
verändernden Kraft.
|