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"Werte" sind mehr gefragt als "Lehren" und menschengemachte
Ideologien.
Juli 2003
In der heutigen Zeit allgemeiner Orientierungs- und
Wurzellosigkeit ist die Suche nach Werten an sich von größerer
Bedeutung als die Verkündigung und Vorstellung von zu
erlernenden Lehren und Ideen. Die Gründe sind folgende:
- Der Mensch braucht "Werte" wie die Luft zum Atmen, damit
er sich daran orientieren und das Leben tragfähig gestalten
kann. Akademische Lehren haben die Tendenz zu Abstraktionen,
Begriffshantierereien und Gedankenakrobatik, die ihren Sinn
schon dadurch verlieren, dass ihnen der "Sitz im Leben"
abhanden kommt. Deshalb finden sich immer weniger "Zuhörer".
Die Einübung in Werte wie Liebe, Friedensfähigkeit, Toleranz,
Gerechtigkeit... wird prioritäre Aufgabe.
- Christliche Werte müssen eine möglichst große Nähe zu
Christus und zum Evangelium haben; ebenso zu Menschen, die ihr
Leben am "Wertekatalog" Jesu verbindlich gestalten und
ausrichten. Solche Menschen sitzen - wie die Erfahrung seit
2000 Jahren zeigt - nicht unbedingt in den Amtsstuben der
kirchlichen und weltlichen Behörden. Bei Menschen im Leben
geht es immer um die Klärung der Frage, welche
evangeliumsgemäßen Werte heute besonders wichtig, wie
tragfähig und wie glaubwürdig sie sind - selbst noch in Zeiten
ihrer Vernachlässigung und bei Versagensgeschichten. Solche
Grundausrichtung im Leben zielt auf die "getane Wahrheit"; auf
eine Wahrheit, die sich im Leben bewährt. Jede
abstrakt-akademische gerät dabei ins Hintertreffen.
- Werte gestatten am meisten die Entwicklung einer
Gesprächskultur (statt Diskussionsrunden), an der sich alle
(möglichst viele) beteiligen können, weil damit Erfahrungen,
Ängste, Sorgen, Nöte, Erfolge und Niederlagen verbunden sind.
Diese werden zur Sprache gebracht, werden unverzichtbar
wichtig, wenn es darum geht, das Leben, so wie es ist, zu
erhellen und zugleich zu festigen. Solche Gesprächskultur ist
auch der beste Boden für das Entstehen "natürlicher
Autoritäten", geeignet für Leitungsämter und für die Berufung
zu besonderen Diensten. Heute zeigt sich in allen
Lebensbereichen, dass selbsternannte Autoritäten de facto
autoritätslos bleiben und kein Gehör (mehr) finden - ein für
die Kirchen unübersehbares Existenzproblem.
- Leben und Lebensorientierung nach gemeinsamen Werten
schafft Gemeinschaft - Voraussetzung für die "Gnade" bzw. für
die den Christen verheißene "Anwesenheit Gottes im Leben" und
in der Geschichte. Auf unglaubliche Weise kann wieder wahr
werden, was die alte Theologie schon immer lehrte: die Gnade
setzt die Natur voraus! - weniger das Amt bzw. Amtsträger.
Während herkömmlich hartnäckig auf "Ämter" gepocht wird, geht
es heute um glaubwürdige, "exemplarische Menschen" (K.
Jaspers). Wo Letzteres nicht oder wenig vorhanden ist, wird
"das Amt" zu einer Karikatur, die nichts taugt und kein Gehör
findet.
- Es kann so etwas entstehen wie eine Gemeinde bzw.
Gemeinschaft von Christen als "Licht der Welt", als "Salz der
Erde", die dem Leben Würze und Sinnorientierung verleihen, die
zum Leben vor dem Tod verhelfen, zugleich Perspektiven für das
Leben nach dem Tod eröffnen.
Auf einen Nenner gebracht, kann zusammenfassend festgehalten
werden: da solche Werte-Pädagogik weitgehend abhanden gekommen
ist, kann es nicht ausbleiben, dass sich das Christentum in die
Sackgassen "unfehlbarer Lehren" verrennt, zu einem "klerikalen
Brei" wird (so eine große deutsche Tageszeitung), statt Kräfte
zum Leben freizusetzen. Besonders auch das römisch-katholische
Christentum ist hinkend und einäugig geworden. Dem kirchlichen
Lehramt und der wissenschaftlichen Theologie fehlt der Boden
unter den Füßen, d.h. das "Lehramt der Gläubigen", der "consensus
fidelium".
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